Recht und Unrecht, vereint in Hans Eichel?
Recht und Unrecht sind manchmal das Gleiche, wenn man der Berichterstattung der HNA zur Klageführung Hans Eichels folgt. (1,2,3)
Recht ist es demnach, dass Hans Eichel gegen die Stadt und Land um seine Pension klagen kann. Aber das er tatsächlich klagt, das ist Unrecht. Weil es bei ihm „ein bisschen anders“ ist. Weil Beamten wie er, so der Vergleich im selben HNA-Kommentar, angeblich viel mehr Lohn bekommen als der Durchschnittsbürger, der „auch 40 Jahre und länger hart malocht“ hat.
Was wir vorliegen haben ist ein völlig unstrittiger Pensionsanspruch (4). Aber „Hans Eichel steht in der Öffentlichkeit“, und deshalb darf er nicht tun, was jeder andere tun würde. Ist es rechtens, den Ministerpräsidenten a.D. an höheren Maßstäben zu messen als man selber ausdrücklich bereit wäre ein zu halten? Denn zu verlangen, dass man weniger in Anspruch nimmt als einem zusteht, das wäre ja ein Unrecht, richtig? Dieser Widerspruch bleibt in der Berichterstattung der HNA zu diesem Thema leider unberücksichtigt.
Wir dürfen nicht die Augen davor verschließen, dass das durchschnittliche Lohn- und Rentenniveau in Deutschland dringend der Aufbesserung bedarf. Und zwar deutlich. Der deutsche Aufschwung der letzten 5 Jahre finanzierte sich zu einem guten Teil auf stagnierenden Löhnen und Kürzungen am Sozialstaat. Das feuert zu Recht die hier thematisierte Debatte an. Undurchdacht ist hingegen die Reaktion darauf – der Neid - auf den die HNA mit ihren Kommentaren zur Debatte ganz klar anspielt. Unter Neid versteht man das moralisch vorwerfbare, gefühlsmäßige Verübeln der Besserstellung konkreter Anderer (Zitat aus Wikipädia). Der Stiefel passt, kann man sagen.
Eine Rente, liebe Redaktion der HNA, „bekommt“ man nicht. Man verdient sie. Hans Eichel hat sich seine Rente verdient, genauso wie der durchschnittliche Arbeitnehmer sich seine Rente verdient. Vor diesem Gesetz sind wir laut Artikel 3 unseres Grundgesetzes alle gleich. Dagegen eine Ungleichheit heraufzubeschwören ist gleichzusetzen mit einer Forderung nach moralischer Gesetzgebung - je Gefühlslage, dem Diktat der Mehrheit, der Mob-Mentalität. Diesen Weg sollten wir nicht gehen! Hans Eichel darf also nicht nur klagen, wie im HNA-Kommentar großzügig zugestanden, er sollte es sogar. Egal ob es für ihn um Zehntausend, Vierzehntausend oder eine ganze Million Euro Pension ginge.
Statt also anzudeuten, dass ein guter Teil der Bevölkerung zu viel bekommt, wäre es für uns alle klüger zu argumentieren, dass Löhne und Renten für alle Bürger steigen sollten. Nicht, weil Hans Eichel seinen ihm zustehenden Rechtsanspruch wahrnimmt, sondern weil Löhne und Renten generell zu niedrig sind in unserem Land.


Dieser Artikel wurde am 03.November 2011 veröffentlicht. Weitere Beiträge von