Was fehlt – fehlt was? / Die Siebenunddreißigste
Was fehlt? Ein Hauch von politischem Verständnis wäre auf einer Poltikseite in einem Politikkommentar eigentlich nicht schlecht. Aber "Wutbürger" und Politik-Redaktionsleiter Pézsa hat sich schon längst ins sarrazinische Nirwana verabschiedet. Er kommentiert, der Wutbürger sei "....die angemessene Antwort auf eine Poltik, die ihrem Auftrag nicht gerecht wird." Hallo?! Ich will die HNA ja nicht gleich mit einem Politikstudium überfordern. Aber wie wär's denn mit einem schüchternen Blick auf wikipedia. Wer oder was ist Politik? Wer macht Politik?
Der etwas schlicht gestrickte Kommentar reduziert das mal flott auf die gewählten Politiker. Na und da kann er dann loslegen, der Wutbürger. Und Politiker, die aufhören (meine Sympathie für Roland Koch kennt enge Grenzen) - sowas geht schon mal gar nicht. Das ist für den Wutbürger fast noch schlimmer als Politiker, die nicht aufhören. So oder so, der Wutbürger findet ein großes Betätigungsfeld.
Dass Politik die permanente Beteiligung, Einmischung aller braucht, dass es eine politische Presse braucht, kein Thema für die HNA und schon gar nicht für den Leiter ihrer Politikredaktion.
Und wie so eine durch und durch unpolitische Berichterstattung in der HNA funktioniert beweist uns heute der Lokalteil wieder zuverlässig. Denn dort hat die HNA die Pressemeldungsabdruckmaschine angeworfen. Heute: SPD. Frau Bergmann geißelt die Landesregierung, weil die die Ganztagsschulen blockiere. Und Frau Bergmann erwähnt als Beispiel ausgerechnet die Grundschule Brückenhof/Nordshausen. Die HNA druckt's und macht einen Strich auf der Liste, von der böse Stimmen behaupten, die Zeitung stelle auf diese Weise eine ausgewogenen politische Berichterstattung sicher.
Nun hatten wir in Kassel, ich habe hier schon mehr als einmal auf die unzureichende diesbezügliche Berichterstattung hingewiesen, gerade einen frischen Haushaltsbeschluss. Und für diesen Haushalt lagen Anträge der Ortsbeiräte Nordshausen und Oberzwehren sowie der Kasseler Linken vor, die eben genau diesen Ganztagsschulbetrieb im Brückenhof sichern sollten. Und wer lehnte diese Änderungsanträge ab? Richtig: FDPCDUSPDGRÜNE. Ja, Frau Bergmann hat auch gegen die Bereitstellung von kommunalem Geld für die Ganztagsschule gestimmt. Und nun zeigt diese Dame mit ausgestrecktem Finger auf die Landesregierung. Und das ist Politik. So eine Pressemitteilung im Vorübergehen abzudrucken ist auch Politik. Keinen inhaltlichen Zusammenhang zu recherchieren und herzustellen ist Politik.
Wenn der wutbürgerische Kommentator im Politikteil heute also feststellt, dass die Politik nicht leistet, was der Bürger zu Recht von ihr erwartet, so sei hier festgestellt, dass auch der Abonnent (Bürger) feststellen muss, dass die Presse (HNA, Teil des politischen Systems) mindestens genauso patzt. Vielleicht sollten Frau Bergmann und Herr Pézsa sich mal gegenseitig die ausgestreckten Finger entgegenhalten. Das wäre mal ein netter Anfang.
Und was macht......ach so..... dieser Satz darf hier nicht stehen!

Dieser Artikel wurde am 18.Dezember 2010 veröffentlicht. Weitere Beiträge von
Meine Bewertung
für diesen Beitrag:
summa cum laude