HNA-Artikel zum Edersee-Tatort sehr unkritisch

HNA-Artikel zum Edersee-Tatort sehr unkritisch

Der heutige "Montagskommentar" zum letzten "Tatort" überrascht mit seiner Akzeptanz des haarsträubenden Inhaltes. Klar, die Machart als Film, als Drama ist handwerklich gut und wäre als Fantasystory oder Anprangerung einer Bananenrepublik in Ordnung. Aber es geht um die Bundesrepublik! - Die Tatorte zeichneten sich - wie gerade in der Wochenendausgabe der HNA zu lesen war - durch im weitesten Sinne Realitätsbezug auf. Aber dieser Ederseefall? (Dass der vielleicht totkranke Ermittler mit häufigen Bewusstseinsstörungen und der Verweigerung der Behandlung wegen Vorzug auswärtiger Ermittlungen halbblind über öffentliche Straßen fährt, wollen wir mal gnädig ausblenden.  Vorbildlicher Diensteifer!)

Aber: Da wurde der Führung des BKA vor mehr als 33 Jahren (RAF endete Okt. 77 in Stammheim, nur Teile machten als kleine Fraktionen ein paar Jahre weiter) ein Mordanschlag auf einen Prominenten offenbart. Um aber die Täter weiter in der Öffentlichkeit zu isolieren (isolierter konnten die RAF`ler schon vorher gar nicht sein!!), lässt eine konspirative Gruppe innerhalb des BKA den Mord des Wirtschaftsführers, seines Fahrers und beliebiger Zufallsopfer zu. Danach verhindert die gleiche Gruppe jegliche Ermittlung. Sie verschont weiterhin alle beteiligten Täter und verschafft ihnen sogar eine neue Identität. Diese konspirative "Zelle" arbeitet dann aber Jahrzehnte (auch nach Pensionierung) weiter, hat Zugang zu den brisantesten Papieren und Onlinedatenbanken, betreibt einen eigenen Ermittlungsdienst und ein Erschießungskommando, das mit modernsten Waffen einen Reporter und eine Hinweisgeberin hinrichtet. Tipp: Ansiedlung im Nicaragua der 70er oder Nordpakistan der 2010er Ära?

Der ehrgeizige Ermittler lässt den Haupttäter, einen vielfachen Mörder, gnädig in den ehrenvollen Freitod und alle Mitmörder in die noch ehrenvollere Freiheit und weitere "Arbeit" entkommen. Das soll uns im Deutschland der heutigen Zeit verkauft werden??  - Nein. Damit verließ der "Tatort" meilenweit die Grundlage eines auch nur halbwegs denkbaren Realitätsbezuges! Vielleicht sollte sich das Tatortteam mal "Die Akte Tristan", Siebenhaar-Verlag, anschauen, wo selbst 70 Jahre alte Morde glaubhaft "abgearbeitet" wurden?)

Fazit: Täter bleiben überwiegend anonym, werden nicht überführt, können weiter morden; korrupte Polizisten arbeiten mit terroristischen Zellen zusammen, Strafverfolgung ist beliebig und das polizeiliche Datensystem ist manipulativ.....Dem Zuschauer bleibt der erleichterte Seufzer: "Ist ja nur ein Film!"  -Schade nur, dass "Tatort" tituliert wurde.

Zum Thema: Die HNA-Kritik von Maya Yüce



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Autor dieses Artikels:

Bernd Schäfer Dieser Artikel wurde am 29.November 2010 veröffentlicht. Weitere Beiträge von : 1 Artikel.

Bernd Schäfer (61) liest die HNA seit 50 Jahren und wohnt in Kassel. Er ist seit kurzem Rentner.

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  1. Tatort: Edersee | _n1Ls_ - [...] nun aber zurück zum Tatort. Ich mach es kurz. Ich fand ihn gut. Punkt. Hatte seit Jahren bestimmt keinen ...

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