Die HNA vom 2. September 2010
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
die erste Politikseite unserer Zeitung kommt heute ziemlich unerfreulich für normale Menschen daher. Lauter neue Belastungen werden aufgezählt, von weiteren Zuzahlungen für Medikamente über Verschlechterungen für Hartz-IV-Empfänger und gekürztes Elterngeld bis zur Tatsache, dass die Atomsteuer aber aufgeschoben wurde.
Ich finde, dass diese Änderungen hervorragend aufgearbeitet wurden. Bei mir blieben keine Fragen offen. Und Kollege Wolfgang Riek hat das Arznei-Thema treffend kommentiert. Eine entscheidende Passage lautet: "...Regeln, die Beitragszahler kaum verstehen..."
Sehr gut erklärt werden auch die Hindernisse einer Lösung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern mit der Essenz, dass dieses Problem kaum lösbar scheint. Auch hier steht ein Kommentar dabei, der Klartxt enthält - diesmal von Jörg-Stephan Carl, dem Nahost-Experten unserer Politikredaktion.
Verzichtbar finde ich den Bericht über den neuen Bundespräsidenten Christian Wulff. Das, was ich von Anfang an dachte, steht dann auch im letzten Absatz: Die üblichen 100 Tage Schonfrist sind noch nicht vorbei, lasst den Mann doch erstmal im neuen Amt Fuß fassen.
Dafür, dass Thilo Sarrazins Thesen ohne Schaum vorm Mund erörtert werden müssen, egal wie man dazu steht, sprechen nicht nur der Bericht über Großbritannien zum Serienbeginn über Multikulti in Europa, sondern auch die pointierte Beschreibung der Plasberg-Sendung "Hart aber fair" am Mittwochabend und eine volle Seite Leserbriefe zum Thema weiter hinten in der Zeitung.
Mit ungewohnter, aber sehr schöner Optik präsentiert sich die Hessenseite. Noch besser hätte das große Bild aus dem Film "Die Päpstin" gewirkt, wenn man das kleine Foto links oben an den Fuß dieser Meldung gestellt hätte.
Entlarvend im Wirtschaftsteil der Hintergrundbericht unserer Brüsseler Mitarbeiters Detlef Drewes zu den Problemen der ausufernden Fischerei vor den Küsten Afrikas. Der Zusammenhang mit der Piraterie vor dem Horn von Afrika und die Quintessenz im Kommentar, dass letztlich auch die Sicherheit Europas von einer Deckelung der Fangquoten abhängt, war mir nicht bewusst.
Guten Service bietet die zweite Wirtschaftsseite, die Neuheiten auf der Funkausstellung in Berlin vorstellt.
Im Sport fand ich den Bericht über die Misserfolge "unseres" Korbacher Tenniscracks Rainer Schüttler am interessantesten. Nur fehlt mir eine wesentliche Information: Womit verdient der Mann sein Geld, wenn er doch dauernd zu Beginn der großen Turniere ausscheidet? Hat er viel Geld auf der hohen Kante? Bekommt er Antrittsprämien? Mag sein, dass eingefleischte Fans das wissen. Aber selbst dann gehört es zur Vollständigkeit einer solchen Geschichte.
Auf der zweiten Kulturseite hätte ich in der Würdigung des Malers Rousseau der Zöllner gern das berühmte Dschungelbild gesehen. Stattdessen doppeln sich das Selbstbildnis und das fotografierte Porträt.
Im Lokalteil Kassel lässt ein Vorgang grausen: Ein Mann lag drei Wochen tot in seiner Wohnung - ausgerechnet in einer betreuten Seniorenanlage. Kollegin Ulrike Pflüger-Scherb hat diese schlimme Sache in allen Facetten aufgearbeitet.
Wie finden Sie die Zeitung von heute Wir sind auf Ihre Bewertung gespannt.

Dieser Artikel wurde am 02.September 2010 veröffentlicht. Weitere Beiträge von
Der Teufel steckt wie immer in der Überschrift. Diesmal auf der ersten Seite vom 2.9. Bei “Wohnheim” und “Leiche” stockte mir erstmal der Atem. Ich dachte: da droht ein neuer Skandal. Der weitere Text offenbarte dann, dass es sich gar nicht um ein “Heim” handelte,(wo nämlich Menschen erwarten können, dass sie dauernd unter Aufsicht sind, wie z.B. in einem Altersheim), sondern um eine Seniorenwohnanlage.
Diesen Unterschied deutlich zu machen, wäre jetzt Aufgabe der Zeitung gewesen.
So wurde der sehr entscheidende Unterschied schon in der Überschrift verwischt. Mit fatalen Folgen.
Im Bericht wird aber zweierlei klargestellt: Der Verstorbene wollte in Ruhe gelassen werden und die Angehörigen und die Hausleitung haben sich an diesen Wunsch gehalten.
Warum jetzt die Leitung der Wohnanlage unter Erklärungsdruck gestellt wird, bleibt unklar. Ebenso bleibt undeutlich, worüber sich die Angehörigen eigentlich beschweren.
Der Ruf des Hauses hat jetzt erstmal einen Kratzer. Die privaten TV-Sender waren gleich vor Ort.Wie die Geier. Leider Dank HNA.