Großer (kleiner) Aufreger Pizza
Aufreger des Tages ist der heute in der Kasseler Ausgabe erschienene Pizzatest: "Viele Kasseler Bringdienste liefern kleinere Pizzen aus, als der Kunde bestellt hat. Das ergab ein Test der HNA. Über 20 Pizzen von fünf (zufällig ausgewählten) Lieferanten wurden getestet. Das Ergebnis: Die tatsächlichen Durchmesser der Teigscheiben liegen zuweilen bis zu vier Zentimeter unter der Größe, die dem Kunden angeboten wird." Für viele Leser ist das Thema keine Aufmachung wert - sie beanstanden die falsche Gewichtung im Vergleich zu anderen Themen.
Auszüge aus einigen Kommentaren
So meint Innenstädter: "Dieser Artikel ist ein weiter Schritt hinab auf dem unaufhaltsamen Weg zum Boulevard! Infotainment oder Regionalzeitung die verantwortlich mit ihrer Monopolstellung umgeht?"
cdchianti schreibt: "Solch ein Thema als Aufmacher für eine Tageszeitung??? Erbärmlich. Das gehört auf Seite 4 des Lokalteils! Vor der NRW-Wahl soll wohl von den wirklich wichtigen Dingen abgelenkt werden?!"
Karlsson unterm Dach kommentiert: "Was wohin und in welcher Aufmachung gehört ist bei der Leserzahl nur schwer immer richtig zu machen. Eigentlich macht man es ja immer falsch. Wichtig scheint mir, dass man einThema wirklich zu Ende führt, weiter verfolgt bis hin zum Abschluss."
David J. P. nimmt den Artikel zum Anlass, noch mehr Unmut über Qualität der angelieferten Pizzen zu äußern: "Ach, wenn es doch nur die Größe wäre, die zu beanstanden ist. Habe am gestrigen Abend des So.02.05.2010 gegen 22:00:mez mir 3 Pizzen bestellt, weil ich so ein morz Hunger hatte. Bei allen 3 Pizzen war der Teig zu weich. Die Pilze waren aus der Dose, keine frischen Champignons. Die Peperonis sollten scharf sein, so wie es auch auf dem Bestellprospekt steht. Nein, die waren mild. [...]"
Für Stephan ging der Test nicht weit genug: "Ich finde es vom Prinzip her nicht schlecht wen regionale Pizzadienste getestet werden, aber offensichtlich gab es wohl nichts zu bemängeln ausser dem Durchmesser - oder sehe ich das falsch ? Ein Test umfasst viele Kriterien u.a. Geschmack (Subjektiv) , lieferzeit (messbar), Feundlichkeit, Hinweis auf Aktionen oder Sonderpreise, Belag - frisch oder aus der Dose, Menge des Belags usw. Von all dem wird hier nichts erwähnt -- sondern lediglich auf dem Durchmesser herumgeritten."
lj hat eine interessante Idee: "Ich plädiere ebenfalls für einen 'Zeitungstest'. Aber diesmal geht es dann um Inhalte und nicht um Formate. Dann kann aber die HNA auch nicht daran teilnehmen. Mal im Ernst, so etwas hat nichts auf der ersten Seite einer Tageszeitung verloren. Auch nicht an einem Montag."
Was sagt unsere Lokalredaktion dazu? Redaktionsleiter Uli Hagemeier wird in Kürze in den Kommentaren auf die Kritik eingehen.

Dieser Artikel wurde am 03.Mai 2010 veröffentlicht. Weitere Beiträge von
Liebe Leser,
vielen Dank für die Beiträge. Natürlich haben wir auch in der Redaktion darüber diskutiert, ob wir ein solches Thema auf die Seite eins setzen können – und ich bin der Meinung, dass es gerechtfertigt war.
Ich bin überzeugt, dass der weit überwiegende Teil unserer Leser Pizza isst. Ich bin auch sicher, dass ein großer Teil unserer Leserschaft mehr oder weniger häufig Pizza beim Bringdienst bestellt. Das bedeutet nach unserem Test, dass viele unserer Leser für Leistungen bezahlen, die nicht erbracht werden. Denn eine 30 Zentimeter große Pizza kostet bei den Bringdiensten im Schnitt zwei Euro mehr als die kleinere Größe, die in den von uns getesteten Fällen zum Teil geliefert wurde. Also geht es um das Geld unserer Leser – und deshalb ist dieses Thema aus Verbrauchersicht interessant.
Und warum soll ein Thema, das viele Menschen betrifft (und auf das uns im Übrigen Leser aufmerksam gemacht haben) und bei dem sie zu viel Geld bezahlen, nicht auf Seite eins stehen?
Schauen Sie sich die Polit-Magazine im TV an, unter denen es auch eine Reihe von renommierten Formaten gibt: Die haben regelmäßig ähnliche Verbraucherthemen im Programm – und zwar aus einem Grund: Viele Menschen sind davon betroffen.
“Ich finde es vom Prinzip her nicht schlecht, wenn regionale Pizzadienste getestet werden, aber offensichtlich gab es wohl nichts zu bemängeln außer dem Durchmesser – oder sehe ich das falsch? Ein Test umfasst viele Kriterien u.a. Geschmack (Subjektiv), Lieferzeit (messbar), Freundlichkeit, Hinweis auf Aktionen oder Sonderpreise, Belag – frisch oder aus der Dose, Menge des Belags usw. Von all dem wird hier nichts erwähnt …
@Stephan: Vielen Dank für Ihren Beitrag. In der Anfangsphase lassen wir noch Kommentare nicht angemeldeter Nutzer zu. Wir würden uns aber freuen, wenn Sie sich anmelden und künftig mit vollem Namen schreiben würden. Wir haben ein paar Hilfe-Artikel angefertigt, in denen wir darauf eingehen, wie Sie sich anmelden, Ihr Profil ausfüllen und Artikel schreiben können.
Lieber Uli,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
habe eben erst mit Erschrecken die HNA aufgeschlagen. Sie ist zwar noch jeden Tag auf meinem Schreibtisch, aber aus über 200 km Entfernung kann es schon mal Abend werden… Ich muss leider den Kommentatoren zustimmen, dass die Pizza-Bringdienste – bei allem Respekt vor dem Autor und aller Berechtigung des Themas – als Aufmacher-Thema auf Seite 1 absolut überbewertet ist. Ich fürchte, dass sich da mancher Leser schon fragt, wozu er noch eine Abo-Zeitung braucht – sowas kann er schließlich auch in Stadtmagazinen oder Anzeigenblättern finden. Die HNA verkauft sich mit so etwas unter Wert! Das sage ich bei aller persönlicher Verbundenheit und Sympathie. Schade übrigens, dass der Chefredakteur bei seinem ersten Watch HNA-blog nicht auf dieses vieldiskutierte Thema eingeht! Wie gesagt, Verbraucherthemen haben absolut ihre Berechtigung in der Zeitung, aber nicht die Pizzagrößen auf Seite 1… Herzliche grüße, Stefan
Sie bereichern schon zum zweiten Mal meinen Unterricht in Bezug auf “Media” mit Ihrer Titelseite.
Nachdem damals das “sensationslüsterne” Bild vom Tod zweier kleiner Jungen durch ihren Vater auf Ihrer ersten Seite im Unterricht thematisiert wurde, drängt sich ja förmlich Ihre heutige Titelseite zur Analyse der Medienentwicklung auf.
Nach zwei zeitungslosen Tagen einen LOKALEN Pizzatest als Leitartikel auf der Titelseite zu platzieren und dazu zur Krönung auch noch den Kommentar des Tages intellektuell einzubinden, beweist wahrlich tagesaktuellen und kritischen Journalismus.
Das muss sich kaum hinter dem anbiedernden und peinlichen Versuchen Ihres Sportredakteurs Hagemann zur krampfhaften Ironie und kläglichen Ansätzen zu tiefgründigem Humor verstecken.
Tut mir leid, aber als Abonnent macht man sich aber wirklich langsam Gedanken …
@Gary Vollmer: Ganz abgesehen von Ihrer Kritik an der heutigen Aufmachung: Wäre nicht auch die Einrichtung dieses Watchblogs, in dem direkt auf solche Kritik eingegangen wird, ein Unterrichtsthema?
Und was den Kollegen Hagemann aus dem Sport anbetrifft: Gerade bei Humor scheiden sich eben die Geister. Ich persönlich lese die Kolumnen in der Regel sehr gern, und so geht es auch vielen Personen, die ich kenne. Gerade bei Meinungsbeiträgen und Glossen ist es aber natürlich so, dass der eine Beitrag mal besser, der andere mal schlechter ist. Eine solch harsche und verallgemeinernde Kritik finde ich da nicht passend und wenig konstruktiv.
Schön das Sie sich als so `kritikfähig´ zeigen – neben der wirklich selbstkritischen und wohl ernsthaften Reaktion Ihres Redaktionsleiters oben ist dieser `Watchblog´ an sich, wie Sie als einzige konstruktive Reaktion ja vorschlagen, ein augenscheinlich interessantes Unterrichtsthema.
Vielen Dank!
Hallo Herr Vollmer, was die Beiträge von Florian Hagemann anbetrifft, so habe ich Ihnen meine persönliche Meinung mitgeteilt. Auch das soll im Rahmen dieses Blogs erlaubt sein. Wir Redakteure sind – Gott sei Dank – auch Leser ;)
Gehen Sie doch mal ins Detail und nennen Sie ein Beispiel. Oder noch besser: Schreiben Sie dieses Beispiel doch einmal um (es sei denn natürlich, Sie sind der Meinung, dass man ganz darauf hätte verzichten können). Ich nenne Ihnen dann auch gern ein oder mehrere Beispiele, die ich als besonders gelungen erachte.
Würde mich übrigens freuen, wenn auch Sie sich auf dieser Plattform anmelden würden. Darf ich fragen, wo Sie unterrichten? Wird ja nicht überall im Unterricht auf die Zeitung oder Medien allgemein eingegangen…
Hallo Herr Hagemeier!
Ich frage mich ernsthaft, wie man eine völlig haltlose Behauptung “VIELE Kasseler Bringdienste liefern zu kleine Pizzen” veröffentlichen kann, wenn man überhaupt nur FÜNF Lieferanten testet.
Lustigerweise schreiben Sie:
“Das bedeutet nach unserem Test, dass viele unserer Leser für Leistungen bezahlen, die nicht erbracht werden.”
Dem ist nichts hinzuzufügen. Als Abonnenent muss man sich fast täglich fragen, wofür man bezahlt hat.
Dieser Artikel hinterlässt den Eindruck, als wenn sich die Redaktion (noch verkatert vom 1. Mai) Pizza bestellt hat, um die Leere im Kopf zu überwinden.
Guter Journalismus sieht anders aus. Warum testen Sie nicht objektiv und vor allem ALLE Anbieter? Oder veröffentlichen einen seriösen Artikel, der sachlich auf dieses Problem hinweist?
Leider sinkt das Niveau der HNA stetig Richtung Schülerzeitung. Bitte denken Sie einmal darüber nach.
@Martin: Vielen Dank für Ihren Beitrag. In der Anfangsphase lassen wir noch Kommentare nicht angemeldeter Nutzer zu. Wir würden uns aber freuen, wenn Sie sich anmelden und künftig mit vollem Namen schreiben würden. Wir haben ein paar Hilfe-Artikel angefertigt, in denen wir darauf eingehen, wie Sie sich anmelden, Ihr Profil ausfüllen und Artikel schreiben können.
Aber Hallo, was soll denn diese ganze Aufregung? Dass mit einem Testbericht über Pizzen auf der Titelseite die Chefredaktion ein wenig ‘überzogen’ hat ist kein Weltuntergang. Im günstigsten Falle profitieren die Kunden. Und wenn die Redaktion nicht mehr beliefert wird, schmieren die Mitarbeiter sich Zuhause wieder ihre Butterbrote. Das wäre der ungünstigste Fall. Aber, da weiß jede/r was drin ist…Und, Pizzafachzubereiter: Übung macht den Meister! *g
Bei Zeitungen gibt es ja auch ‘Übungsphasen’;);)
Was ich ja sehr interessant fände — und so sieht das HNA-Watchblog (mit Bindestrich) bislang aus — wäre ein Blogartikel über den Hintergrund des Pizzatests. Ich sehe in meinem Kopfkino HNA-Redakteure, die sich (zu späterer Stunde) Essen an den Arbeitsplatz bestellen und feststellen, dass die Pizzen unterschiedliche Größen haben ;-)
Lieber Herr Hagemeier,
Sie schreiben: „Ich bin überzeugt, dass der weit überwiegende Teil unserer Leser Pizza isst. Ich bin auch sicher, dass ein großer Teil unserer Leserschaft mehr oder weniger häufig Pizza beim Bringdienst bestellt.“
Wenn das als Begründung ausreicht ein solches Thema auf Seite 1 zu platzieren (und es geht wirklich nur um die Platzierung und damit die Wertigkeit), dann habe ich aber auch noch ein paar Wünsche:
Ich bin überzeugt, dass der weit überwiegende Teil der HNA-Leser aufs Klo geht. Ich bin auch sicher, dass ein großer Teil der HNA-Leser mehr oder weniger oft öffentliche Bedürfnisanstalten aufsucht.
(wahlweise auszutauschen mit “…spazieren geht, …Milch kauft, …fern sieht, usw)
Da ergeben sich aber noch einige tolle Aufmacher.
Mal im Ernst: Warum nehmen Sie die Kritik denn nicht einfach ernst und reflektieren den Aufmacher kritisch. Stattdessen versuchen Sie mit einer banalen Begründung diese Seite 1 zu rechtfertigen. Auf der Titelseite einer ernstzunehmenden seriösen Tageszeitung ist dieses Thema definitiv nicht in Ordnung. Alles andere ist billiger Boulevard-Journalismus. Nichts dagegen, aber dann geben Sie es doch auch zu.
Mit freundlichen Grüßen.